ȷovis research

 

Broschur
16,5 × 22 cm

Grundlegende Fragen der Architektur und des Urbanismus, über den Tag hinaus betrachtet: Die Reihe ȷovis research verstehen wir als Plattform für Wissenschaftler*innen, die ihre Forschungsarbeiten einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen wollen. Wir bieten eine Bühne für akademische Diskurse mit gesellschaftlicher Relevanz, für Geschichte und Theorie der Architektur und benachbarten Disziplinen — einprägsam gestaltet und erschwinglich.

Der Bau von Hochhäusern ist oft von emotionalen Diskussionen begleitet: Der Gebäudetyp wird einerseits als Lösung für die aktuellen Herausforderungen an die Städte gesehen, anderseits als ästhetische Unmöglichkeit oder Ausdruck einer unerwünschten Gentrifizierung. In aktuellen Entwürfen zeigt sich eine typologische Erschöpfung, die in starkem Kontrast zum strukturellen Reichtum der Hochhäuser früherer Jahrzehnte steht. Anhand eines Katalogs von 100 Projekten gibt Falk Schneemann einen kritischen Überblick über die Entwicklung der Hochhäuser Westdeutschlands zwischen 1945 und 1980. Mithilfe technikphilosophischer und technikgenetischer Ansätze zeigt er Brüche und Innovationsmomente auf, die zu einem grundlegenden Verständnis des Bautyps beitragen und eine bessere Einschätzung aktueller Entwicklungen ermöglichen.

Botschaftsneubauten sind prestigeträchtig und identitätsstiftend zugleich. Ihre primäre Aufgabe, einen Staat im Ausland zu vertreten und sein gesellschaftliches Selbstverständnis widerzuspiegeln, macht sie zu politischen Symbolen. In den vergangenen 150 Jahren suchte Deutschland in seinen auswärtigen Staatsbauten stets einen individuellen architektonischen Ausdruck. Insbesondere die während der vierzigjährigen deutschen Teilung von der Deutschen Demokratischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland errichteten Neubauten für diplomatische Vertretungen dokumentieren die enge Verknüpfung von politischen, kulturellen und personellen Entscheidungen sowie deren Rahmenbedingungen. Die Bauwerke eröffnen aus ihrer exterritorialen Position heraus einen erweiterten Blick auf die Geschichte und das Selbstverständnis aller deutschen Staaten. Sie prägen den auswärtigen Repräsentationsbau bis heute.

Ökonomische, ökologische und soziale Krisen manifestieren sich nicht nur als Brüche in gesellschaftlichen Entwicklungen, sondern auch als räumliche Phänomene. Ein zentrales Beispiel sind städtische Brachen wie stillgelegte Fabrikareale, großflächige leerstehende Wohnungen oder ungenutzte Erdgeschosszonen. Sie sind das sichtbare Resultat urbaner Wandlungsprozesse und verdeutlichen die Herausforderungen für die Disziplinen Architektur und Städtebau.
Das vorliegende Buch untersucht städtische Transformationsprozesse anhand des Konzepts der urbanen Leere: Brachen eröffnen Gestaltungsspielräume in der Stadtentwicklung, da dort Strategien von Planer*innen auf kollektive, selbstorganisierte Taktiken von Stadtbewohner*innen treffen. Die Autorin analysiert Fallbeispiele aus Lateinamerika, um Zukunftsperspektiven für raumgestaltende Disziplinen in Europa aufzuzeigen.

Die baulichen Ausprägungen digitaler Daten bleiben meist im Verborgenen. Katharina J. Neubauer hat alle Datenspeichergebäude von Google und Facebook in Europa bereist und leistet eine architektonische und räumliche Annäherung an diese Bauten. Durch die direkte Konfrontation mit den Gebäuden wird man sich ihrer Existenz, ihrer Ausmaße und zugleich ihrer Präsenzlosigkeit bewusst. Gebäude, die eine enorme gesellschaftliche Bedeutung haben, aber nicht dafür gedacht sind, betrachtet und verstanden zu werden – die Autorin hat sie beobachtet und in Form von Fotos und Zeichnungen festgehalten.

In Venedig steht der Bau neuer Wohnquartiere seit jeher vor besonderen Herausforderungen. Als zwischen den Weltkriegen neuer Wohnraum benötigt wurde, trafen die Anforderungen einer modernen Stadterweiterung auf die besondere Urbane Gestalt der Lagunenstadt. Bedingt durch die geografische Lage entstanden in der internen Peripherie Venedigs kleinteilige Quartiere, die sich in ihrer Gestaltung mit den lokalen Besonderheiten auseinandersetzen mussten. Der vorliegende Band untersucht die Entstehung acht dieser Quartiere, die in einer Zeit der zunehmenden Industrialisierung der Bauproduktion errichtet wurden. Wie in Venedig eine traditionelle, durch das Handwerk geprägte Gestaltung mit den Anforderungen des modernen Wohnungsbaus in Einklang gebracht wurde, ist auch im zeitgenössischen Fachdiskurs von Relevanz.

Neu-Belgrad war ein konkretes, soziales Experiment zur Schaffung einer neuen Gesellschaft im Nachkriegsjugoslawien. Während die Stadt und das Land wieder aufgebaut wurden, entwickelte sich sowohl in Jugoslawien als auch in der internationalen Szene die sogenannte Praxisphilosophie. Praxis of Collective Building befasst sich mit den Wechselwirkungen zwischen dieser Denkschule und den Geschichten der Großbaustellen. Indem sie die Mikrogeschichten der Bauprozesse eingehend betrachtet, beleuchtet die Autorin die theoretischen Fragestellungen kollektiver Produktion anhand diverser Beispiele: freiwillige Aktionen von Jugendlichen beim Bau von Neu-Belgrad im Lichte der marxistischen Praxis, partizipative Vorfertigung als Mittel zur Behebung des Wohnungsmangels in Jugoslawien und die Übertragung und Anpassung des jugoslawischen Vorfertigungssystems auf den kubanischen Kontext durch die Microbrigada-Bewegung.

Weltweit werden in Städten Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) eingesetzt, um den aktuellen Herausforderungen wie Klimawandel, Umweltverschmutzung und Ressourcenknappheit zu begegnen. Dabei verändert die digitale Transformation Städte maßgeblich. Durch künstliche Intelligenz, IKT, Echtzeitinformationen oder Big Data ergeben sich neue Ansprüche an den Stadtraum.
Das Buch stellt die spezifische und kritische räumliche Dimension von urbanen Digitalisierungsprozessen dar. Gegenstand der Untersuchung ist die digitalisierungsbedingte räumliche Transformation des Quartiersraums. Radostina Radulova-Stahmer arbeitet die Notwendigkeit einer gemeinwohlorientierten Ausrichtung der Stadtentwicklung im digitalen Wandel heraus, die räumliche mit technologischen Aspekten verbindet und somit weit über das neoliberale Konzept der Smart City hinausgeht.